Reglerparameter – Bedeutung und Anwendung
rVerstaerkungP := 2.5
→ Proportionalverstärkung (P-Anteil)
Bestimmt, wie stark der Regler sofort auf eine Abweichung reagiert.
- Einheit: % Ausgang pro K Abweichung
- Beispiel: 1 K Fehler → 2.5 % Stellgrößenänderung
Praxis:
- höher → schneller, aber schwinganfälliger
- niedriger → ruhiger, aber träger
Typisch:
- FBH: 1.0 – 2.0
- Mischkreis: 2.0 – 4.0
rIntegrationszeit := 180.0
→ Integrationszeit (I-Anteil, Ti)
Zeit, in der der Regler eine bleibende Abweichung ausregelt.
- Einheit: Sekunden
- kleine Werte = starkes Nachregeln
- große Werte = langsames Nachregeln
Praxis:
- zu klein → Überschwingen
- zu groß → bleibende Abweichung
Typisch:
- FBH: 1800 – 3600 s
- Mischkreis: 120 – 300 s
rDifferenzZeit := 0.0
→ Differenzierzeit (D-Anteil, Td)
Reagiert auf die Änderungsgeschwindigkeit des Fehlers.
Wichtig:
- 0.0 = D-Anteil AUS
Praxis:
- bei Temperaturregelung fast immer deaktiviert
- sonst Gefahr von:
- Unruhe
- Rauschempfindlichkeit
Empfehlung:
- FBH: immer 0
- Mischkreis: meist 0 oder sehr klein
rFilterKonstante := 10.0
→ Filter für D-Anteil (N)
Glättet den D-Anteil (nur relevant wenn D aktiv ist).
- größer = mehr Glättung (ruhiger)
- kleiner = schneller, aber empfindlicher
Praxis:
- ohne D-Anteil → praktisch irrelevant
Standardwert:
- 5 – 20, typisch 10
rTodzone := 0.3
→ Totzone (Deadband)
Bereich um den Sollwert, in dem nicht geregelt wird.
- Einheit: K (°C)
- Beispiel: ±0.3 K → keine Reaktion
Praxis:
- verhindert „Zappeln“
- ereduziert Ventilbewegungen
- erhöht Stabilität
Typisch:
- FBH: 0.2 – 0.5
- Mischkreis: 0.1 – 0.3
Wie man die Parameter sinnvoll verwendet
Grundstrategie (immer gleich)
- D-Anteil deaktivieren
rDifferenzZeit := 0.0; - Mit moderatem P starten
rVerstaerkungP := 1.5 ... 2.5 - I-Zeit passend zur Trägheit wählen
• träge Strecke → große Ti
• schnelle Strecke → kleine Ti - Totzone setzen
rTodzone := 0.2 ... 0.4
Feinabstimmung in der Praxis
Regler zu träge
- Raum / Vorlauf kommt langsam auf Soll
rVerstaerkungP erhöhen
oder
rIntegrationszeit verkleinern
Regler schwingt
- Temperatur pendelt
- Stellgröße unruhig
rVerstaerkungP
reduzieren rIntegrationszeit erhöhen
rTodzone leicht erhöhen
Stellgröße „zittert“
- rTodzone erhöhen
Kurz-Merksatz
- P = Reaktion (wie stark?)
- I = Genauigkeit (wie lange nachregeln?)
- D = meist aus bei Temperatur
- Totzone = Ruhe reinbringen
Eigenschaft | Compact | IEC |
|---|---|---|
P-Anteil | auf ΔFehler | auf Fehler |
I-Anteil | additiv | sauber integriert |
D-Anteil | ❌ | ✔ |
Abtastung | fix 2 s | variabel |
Stabilität | sehr hoch | parametrierabhängig |
Genauigkeit | mittel | hoch |
Vorteile vom Compact-Regler
- extrem robust
- kaum schwinganfällig
- ideal für
- Mischkreis
- einfache Heizungsregelung
- tolerant gegenüber schlechten Parametern
Nachteile
- kein echter PID
- reagiert langsamer
- nicht normgerecht
- Integrator kann „auflaufen“
- 2s-Zyklus fest eingebaut
Intuitive Erklärung
Man kann ihn sich so vorstellen:
„Ich ändere die Stellgröße nur dann, wenn sich etwas ändert“
- Fehler steigt → Ausgang wird erhöht
- Fehler konstant → nichts passiert (nur I wirkt langsam)
Der Reglertyp 0 ist:
ein einfacher, inkrementeller PI-Regler mit Totzone und 2s-Takt
Perfekt für:
- robuste Heizungsregelung
- wenig empfindliche Systeme
Weniger geeignet für:
- präzise Regelung
- schnelle Prozesse
